Über 100 Jahre lang war der Dorfschneider im kleinen Egerländer Flecken Treunitz ein „Kliebhan“. Die Geschichte der Treunitzer „Schneider-Dynastie“ begann um 1800 mit Georg Michael Kliebhan, der aus dem Nachbarort Stabnitz kam, um die Tagelöhners-Tochter Margaretha Glaßl zu heiraten. Das Schneiderhandwerk brachte er von zu Hause mit: sein Vater Laurenz Michael Kliebhan war der ortsansässige Schneider in Stabnitz.
Georg Michael war noch sehr jung, als er Vater wurde: er war gerade einmal 17 Jahre alt geworden, als Georg Adam auf die Welt kam (und sie kurz darauf wieder verließ, die Kindersterblichkeit war damals im Egerland enorm hoch). Für den jungen Vater war die Heirat dennoch eine erfolgreiche Sache: er wurde in der Folge Hausherr im Haus No. 31, das fortan das „Schneiderhäusl“ von Treunitz war. Unter einem Dach lebten nun das junge Paar, Margarethas Eltern und ihre (jüngere?) Schwester Katharina.
Im September 1805 kam der nächste Sohn: Johann Georg (mein Ur-Ur-Großvater).
Im Januar 1808 landete der Storch gleich 2 mal im „Schneiderhäusl“ No.31:
am 24.1. kam Eva Margareth Kliebhan als Tochter von Georg Michael und Margaretha auf die Welt. Einige Tage darauf kam auch Margarethas unverheiratete Schwester Katharina Glaßs nieder – mit einer unehelichen Tochter, die warum-auch-immer denselben Namen bekam. Es gab fortan zwei Eva Margareth im Haus No. 13, und für die Nachbarn sicher reichlich Stoff für Spekulationen aller Art.

Geburtseinträge im Kirchenbuch Treunitz / Kindersegen im Haus No. 31: Eva Margareth Kliebhan 24. Januar 1808 und Eva Margareth Glaßl 31. Januar 1808
Der Kindersegen von Georg Michael und Margaretha ging weiter:
im Oktober 1810 folgte Anna Margareth (die später ebenfalls mit der katholischen Sexualmoral – freiwillig oder unfreiwillig? – in Konflikt geriet und 1834 ihren unehelichen Sohn Georg Erhard Kliebhan auf die Welt brachte).
im März 1813 kam Eva Magdalena auf die Welt und im Juni 1819 Georg, der allerdings bei der Geburt starb.
Schneidermeister Johann Georg Kliebhan (mein Ur-Ur-Großvater) heiratete am 6.2.1838 Magdalena Barbara Zeidler aus dem Nachbarort Stabnitz. Einer der Trauzeugen war ebenfalls aus der Branche – ein Schneidermeister aus Naugrün. Der andere der Malermeister (?) von Stabnitz, offenbar der Arbeitgeber der Braut, die dort als Magd gearbeitet hatte.
Im Jahr darauf, im März 1839, kam Georg Josef auf die Welt, im Dezember 1840 folgte Eva Magdalena und 9 Jahre später, im März 1849 der Nachzügler Johann Kliebhan (mein Ur-Großvater).
Johann Kliebhan, Schneidermeister – na klar, was sonst – heiratete im Juni 1882 (?) die 5 Jahre jüngere Magdalena Frank aus Honnersdorf.
Der älteste Sohn Adam Kliebhan übernahm die Schneiderwerkstatt.
Tochter Eva Kliebhan blieb unverheiratet und arbeitete im Haushalt mit.
Georg Kliebhan (mein Großvater) erlernte ebenfalls das Schneiderhandwerk und baute sich in Eger eine eigene Existenz auf (das Unternehmen endete allerdings mit der Vertreibung 1945).
Der jüngste Sohn Johann Baptist Kliebhan verließ das Egerland und fand sein Glück in Deutschland, wo er in Völklingen an der Saar einen Kolonialwarenladen aufbaute, den sein Sohn Werner Kliebhan – der Cousin meines Vaters Franz Kliebhan – weiterführte.
Werner interessierte sich immer sehr für die Familiengeschichte und trug alle Informationen zusammen, die er bekommen konnte. Ihm verdanken wir viele Details der jüngeren Familiengeschichte und ihrer Verästelungen (für die es einen password-geschützten Teil dieser Web-Präsenz gibt).
Heute ist in Treunitz kaum noch etwas von der damaligen Zeit zu sehen. Das „Schneiderhäusl“ musste einem Stausee weichen. Der Friedhof ist weitgehend zerstört – das Grab meines Ur-Großvaters Johann Kliebhan, das kurz nach der Wende noch stand, war bei unserem Besuch Ende der 90er nicht mehr zu finden. Einziges Erinnerungsstück war der im Dickicht herumliegende Grabstein von Albina Kliebhan geb. Reinhold, die erste, früh verstorbene Frau von Emil Kliebhan, dem ältesten Sohn von Adam Kliebhan.
Interessante Homepage!
Liebe Grüße aus Buch bei Illertissen (Bayern) von deiner entfernten Verwandtschaft.
Franz Eberl und Corinna Eberhardt (geb. Eberl)
Lustig …
und so tragisch, das mein verstorbener Vater und sein Bruder – Alles rausfinden wollten zum Namen usw. und alles war begleitet von Ablehnung und Ignoranz. Ahahaaa die Vertriebenen passen halt nicht ins Bild … Ich erinnere Euch trotzdem …